"Er bettelt und klaut!"

Aus Menschensicht betrachtet

Sie frühstücken gerade gemütlich. Ihr Hund liegt in der Nähe des Tisches und scheint zu dösen. Von ihrem lecker mit Wurst belegtem Brötchen liegt noch eine Hälfte auf dem Teller als es klingelt und sie zu Tür gehen. Als sie zurückkommen liegt der Hund immer noch dösend in der Nähe des Tisches, aber der Teller ist leer. Ich selbst habe einen großen Hund, der trank zu Anfang in meiner kurzen Abwesenheit den gesüßten Milchkaffee - ohne zu kleckern - aus der Tasse, so dass ich mich zuerst fragte, ob ich die Tasse nicht selbst schon leergetrunken hatte, bis ich ihn einmal dabei beobachtete.

Aus Hundesicht betrachtet

Versuchen wir das Ganze einmal aus Hundesicht zu betrachten. Sie und ihre Familie sind das "Rudel" zudem der Hund gehört. Er befindet sich normalerweise in der Rangordnung ganz unten. In einem richtigen Hunderudel müsste er warten bis alle Ranghöheren gefressen haben und satt den Futterplatz verlassen. Na ja, genau das tut er ja als er "dösend" in der Nähe des Tisches liegt und wartet. Er hat auch gelernt, dass betteln bei seinem gestrengen Herrchen auch nicht weiterhilft (oder etwa doch?), deshalb übt er sich in Geduld. Ja und dann steht der Rudelchef vom "Futterplatz" auf und lässt das Restfutter liegen. Ein Zeichen für den Rangniederen, dass er sich bedienen darf. Also nichts wie ran. Der Ranghöhere ist ja satt. Aus Hundesicht tut ihr Hund nichts Unerlaubtes ... er "klaut" oder stiehlt also nicht, denn woher soll er wissen, dass sein Mensch vom Tisch aufsteht und Nahrung zurücklässt, obwohl er noch nicht satt ist?!

 

Was tun? Wie Vorbeugen? Wie abgewöhnen?

 

Vorbeugen: Vom Welpenalter an gilt ...

  • Der Tisch mit Stühlen ist eine "Tabuzone", der Hund und ist er noch so klein darf nicht auf einem Stuhl sitzen (auch nicht auf ihrem Schoß) oder am Tisch hochstehen. Ausser im Lokal sollte der Platz ihres Hundes auch nicht unter dem Tisch sein.
  • Der Hund bekommt nichts zu fressen vom Tisch. Es gibt keine Ausnahmen. Das gilt für alle Familienmitglieder und Besucher! Manche Zweibeiner entwickeln einen außerordentlichen Einfallsreichtum, wenn es darum geht, dem lieben Vierbeiner ein Wursträdchen zukommen zu lassen, ohne dass es jemand sieht.
  • Deshalb ist es von Vorteil, wenn ihr Hund immer ein paar Meter vom Tisch entfernt warten muss und nicht direkt am oder unter dem Tisch sitzt oder liegt. So haben sie alles leichter im Blick und die Versuchung für Mensch und Hund ist nicht so groß. Geben sie ihm zu Beschäftigung einen Kauknochen oder Hundekuchen.             

                                                                                                                        Wenn sie ihren Hund unbedingt mit Essen vom Tisch versorgen müssen, dann... 

  • ...den Hund nie direkt am Tisch mit Essen vom Tisch füttern. Wenn er etwas von ihrer Nahrung abbekommen soll, dann geben sie das Essen in seinen entfernt stehenden Fressnapf, aber bitte erst wenn sie gegessen haben.
Abgewöhnen:

Hunde die schon "geklaut" haben, müssen sie jetzt beibringen, dass er nichts vom Tisch zu nehmen hat...auch in ihrer Abwesenheit! Das unerwünschte Verhalten muss in dem Moment unterbunden werden, wo er es gerade tut oder noch besser, wenn der Hund gerade denkt es zu tun. Es kommt auf "das richtige Timing"  an.                                                                                            

  • Halten sie sich ab sofort an obige Regeln!
  • Protestiert ihr Hund, weil er es gewohnt ist direkt am Tisch als "lebendiger Abfalleimer" zu sitzen, und bleibt nicht in gebührender Entfernung vom Tisch liegen, leinen sie ihn dort an. Bellen und Jammern ignorieren, dem Hund keine Aufmerksamkeit schenken. Ruhiges Verhalten mit einem Leckerli belohnen.
  • Wenn ihr Hund vom Tisch entfernt auf  Befehl abliegt, hat er auch dort liegen zu bleiben, bis der Befehl von ihnen aufgehoben wird. Egal ob noch Essen auf dem Tisch steht und sie den Raum verlassen. Gehen sie aus dem Raum, aber so dass sie den Hund noch sehen, er sie aber nicht mehr sieht. Wenn er dann von seinem zugewiesenen Platz aufstehen will korrigieren. (Mit "Knurr" Stimme, wieder auf seinen Platz verweisen). Viele Male üben.
  • Wenn sich ihr Hund frei im Raum bewegen darf, während sie ihren Haushaltspflichten nachgehen und sich währenddessen an Essbaren vom Tisch, Küchentheke oder Abfalleimer bedient ... gehen sie ähnlich vor. Sobald er sich dem Objekt seiner Begierde nährt... gibt es ein Stimmendonnerwetter. Gut wirken bei manchen Hunden auch kleine Schepperdosen die sie  - ohne dass er es sieht im geeigneten Moment auf den Boden werfen und "Pfui" rufen. Ziel ist, dass der Hund der Hund das Gefühl bekommt ... dass auch wenn sie nicht da sind er nicht tun und lassen kann was er will.


Professionelle Hilfe gebe ich ihnen auch gerne im HUNDE-MENSCH-TRAINING.